Die Wiener Staatsoper

Alles Walzer - Alles tanzt
Zu Besuch im „Ersten Haus am Ring“

In zwei Tagen ist es mal wieder so weit - der Höhepunkt der Wiener Ballsaison steht an. Wie man hört, sind die Hollywoodstars schon im Anflug. In Wien steht die Nacht der Nächte an - der Wiener Opernball.

Die Übertragung des ORF zählt zu den meistgesehenen Sendungen des Jahres - weltweit wird diskutiert, wen Baulöwe Lugner in diesem Jahr eingeladen hat (2017 ist es die 71jährige US-Schauspielerin Goldie Hawn) und viele andere bunte Vögel sorgen für allerhand Gesprächsstoff.

Hofopern-Soireé und die Geschichte des Opernballs

Als das Haus am Ring 1869 eröffnet wurde, war es schon für Bälle geplant. Der Bau stieß allerdings zunächst auf einigen Widerstand, die Wiener waren von der Architektur alles andere als begeistert. Die Kritik war sogar so heftig, dass einer der Architekten - Eduard van der Nüll - noch vor Eröffnung seines großen Werkes - Selbstmord beging.

Begründet wurde die Tradition des Opernballs im Dezember 1877, als erstmalig unter Beisein von Kaiser Franz Josef eine Soiree stattfand. Damals gab es noch eine Tanzpolizei - Tanzen war strengstens untersagt, da es als unsittlich galt und Franz Josef Zustände wie in Paris befürchtete.

Zum ersten mal in der Geschichte tauchte 1935 das Wort „Opernball“ auf. Seit dem findet der Ball auch traditionell am letzten Donnerstag vor Aschermittwoch statt.

Mit dem Zweiten Weltkrieg fand die Balltradition ein jähes Ende. 5 Brandbomben zerstörten das Gebäude zu 80% - nur das Schwindtfoyer, das Teehaus des Kaisers und die Hauptstiege blieben erhalten. Doch schon 1955 konnte das Opernhaus seine Wiedereröffnung feiern und ab 1956 fand auch wieder ein Opernball statt - mit Ausnahme von 1991, wo man aufgrund des Golfkrieges für 1 Jahr pausieren musste.

Einmal auf das Volk herunterschauen - in der Präsidentenloge

Nun aber zurück zu unserer Führung. In Gruppen zu 20 - 25 Personen ging es dann los - zunächst in einen der beiden großen Pausensäle und dann zum ersten großen Höhepunkt. Im anderen Saal - dem Gustav Mahler Foyer - proben gerade die Debütantenpaare - der Ball wirft schon seine großen Schatten voraus.

Die Staatsoper hat zwei große, gegenüberliegende Logen - aus Zuschauersicht links die Präsidenten- und rechts die Bundeskanzlerloge.

Und nun dürfen wir uns - eng zusammengequetscht - einen Eindruck davon verschaffen, von wo aus Bundespräsident van der Bellen dieses Jahr zum Ersten Mal die Balleröffnung anschauen wird.

Im Original - Kaiserlicher Teesalon, Schwindfoyer und Feststiege

Es geht nun vorbei am kaiserlichen Teehaus zum Schwindfoyer. Beides sind Teile, die vom Originalbau übriggeblieben sind und somit den Zweiten Weltkrieg überstanden haben.

In das Teehaus dürfen wir nur einen kleinen Blick riskieren, denn es ist noch heute wirklich exklusiv und nur den Pressekonferenzen der Staatsoper. Früher war es der am strengsten abgeschottete Raum. Er lag oberhalb der Feststiege und hinter der kaiserlichen Loge.Kaiser Franz Josef verbrachte hier die Pausen, wenn er sich eine Opernvorführung ansah. Der kleine, goldene Saal ist derartig exklusiv, dass er nicht einmal am Abend des Opernballs der Öffentlichkeit zugänglich ist. Spuren des kommenden Opernballs entdecken wir dagegen wieder im ebenfalls noch historischen Schwind-Foyer. Im kleinen, prunkvollen Raum werden am Donnerstag viele Interviews gegeben. Der Raum wurde nach dem Künstler benannt, der hier Werke aus dem Repertoire der Oper an die Wand zauberte. Außerdem findet man hier die Büsten der Staatsoperndirektoren.

Von hier geht es normalerweise in den Gustav Mahler Saal - doch der ist heute belegt - das Ballkomitee mit den Debütantenpaaren probt. Daher gehen wir weiter über die Feststiege nach unten in den Zuschauerraum.

Wie im Spiegel - vom Opernhaus zum Ballsaal

Nun sitzen wir in den vorderen Reihen, werfen einen Blick auf die Bühne und den Orchestergraben. Eins wird mir sofort bewusst: das sieht doch alles viel kleiner aus wie im Fernsehen. Natürlich tauchen schnell die ersten Fragen auf - und unser Guide klärt uns auf.

Rund 30 Stunden wird für den Ball umgebaut. Mehr als 400 Arbeiter sind daran beteiligt. Am Abend die letzte Vorstellung, dann wird die Bühne quasi zu einem zweiten Zuschauerraum. Wie gespiegelt werden hier weitere Logen aufgebaut. Und um ordentlich tanzen zu können, wird die Neigung im Zuschauerraum und der Höhenunterschied zur Bühne durch eine komplexe Metallkonstruktion ausgeglichen, so dass am Ende die unteren Logen auf Höhe der Tanzfläche sind.

Alles Walzer vs. Brüderlein fein - der Ablauf des Opernball-Abends

Traditionell beginnt der Abend mit dem Einzug des Bundespräsidenten in seine Loge. Herr van der Bellen übernimmt in diesem Jahr das erste Mal die Rolle des Ballpatrons. Danach wird die Bundeshymne gespielt und die Debütantenpaare ziehen ein.

Debütant darf übrigens jeder werden, der zwischen 17 und 24 Jahre alt ist. Und eins ist ganz wichtig - Linkswalzer sollte problemlos machbar sein. Rund 600 Paare tanzen jedes Jahr vor und es sollen immer einige dabei sein, die das nicht wirklich beherrschen. In diesem Jahr wurden 144 Paare ausgewählt - die Mehrheit aus Österreich, traditionell sind aber auch einige Paare aus dem Ausland dabei.

Mit dem Kommando „Alles Walzer“ wird nach dem Eröffnungsprogramm die Tanzfläche freigegeben.

Um Mitternacht und um 3 Uhr gibt es dann noch die Quadrillen.

Um 5 Uhr wird der Ball dann traditionell drei Stücken abgeschlossen. Zuerst kommt der Donauwalzer, dann der Radezky-Marsch und schließlich „Brüderlein fein“ von Ferdinand Raimund.

Auch mal Ballluft schnuppern?

Wer sich übrigens selbst mal Opernballluft schnuppern möchte, sollte sich beeilen. Die Tickets für den Opernball 2018 gibt es ab Freitag. Der Eintritt kostet 290€, für einen Tisch zahlt man um die 400€, eine Loge kostet zwischen 10000 und 20500€ (allerdings muss man die schon etwa 4 Jahre im Voraus buchen). Die Logen werden zugewiesen - besonders unbeliebt ist übrigens die Loge neben Richard Lugner. Essen ist in diesen Tickets übrigens nicht enthalten.

Kleiner Fakt am Rande übrigens - eingeladen wurde von der Staatsoper übrigens niemand. Selbst der Bundespräsident oder der Kanzler und natürlich auch der Herr Lugner brauchen bezahlte eine Eintrittskarte.

Reservierungen können nur schriftlich unter reservierungen@opernball.at oder über das Kontaktformular getätigt werden. Aber man muss sich beeilen - die rund 5000 Balltickets sind oft innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft.

Infos zur Führung

Führungen gibt es in allen Sprachen.

In Deutsch, Englisch und Spanisch finden sie beinahe (soweit das Programm es zulässt) täglich um 13 Uhr, 14 Uhr und 15 Uhr statt. Genauere Uhrzeiten können unter www.wiener-staatsoper.at/ihr-besuch/fuehrungen abgerufen werden.

Führungszeiten in Italienisch, Russisch, Japanisch und Französisch können unter (+43/1) 51444/2606 telefonisch erfragt werden.

Die Führung dauert etwa 45 Minuten.

Eintrittspreise
Erwachsene: 7,50€
Pensionisten (ab 65): 6,50€
Kinder, Lehrlinge, Studenten (bis 27): 3,50€

Die Kassa öffnet jeweils etwa 20 Minuten vor Beginn der ersten Führung.