Wien für Experten

SIGHTSEEING | 07. November 2017

Gerade erst wurde Wien von einem großen US-Amerikanischen Reisemagazin zum beliebtesten Reiseziel Europas gekürt. 2016 gab es knapp 16 Millionen Gästeübernachtungen (Quelle: Stadt Wien). Da kann es bei den touristischen Hot Spots schonmal ganz schön voll werden. Und immer mehr Leute kommen auch mehr als einmal in die Stadt. Deshalb möchte ich euch heute ein paar versteckte Orte vorstellen, die nur echten Wien-Experten bekannt sind.

Ich stelle euch heute Sehenswürdigkeiten vor, die etwas abseits der Touristenpfade liegen - echte Hidden Gems, die die Touristen bisher noch nicht entdeckt haben. Für mich sind ein paar echte Highlights, die auch schonmal etwas weiter am Stadtrand liegen - aber der Weg lohnt sich!

Russisch - Orthodoxe Kathedrale St. Nikolai

Unweit des unteren Belvedere, direkt im Botschaftsviertel zwischen Russischer und Deutscher Botschaft fühlt man sich direkt nach Moskau versetzt. Die orthodoxe Kathedrale des heiligen Nikolai stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Nachdem die russische Gemeinde keinen Raum zur Gebetsausübung hatte, ließ sich der russische Zar erweichen und sendete 400 000 Rubel zum Bau einer Kathedrale. Gebaut wurde die Kirche mit den goldenen Zwiebeltürmen 1893-99 von Grigorij Iwanowitsch Kotow. Betritt man die Kirche, steht man direkt in einer mystischen Welt. An den Wänden sieht man großflächige Bibelszenen und Ikonen. Im Zentrum hängt ein gigantischer Leuchter, den der Zar selbst einst gespendet hat.

Jauresgasse 2, 1030 Wien
geöffnet täglich von 10 bis 14 Uhr
 

Leopoldsberg

Der Leopoldsberg ist der kleine Bruder des Kahlenbergs und gilt als nordöstlichster Gipfel des Wienerwalds. Im 12. Jahrhundert wurde hier eine Burg mit einer kleinen Kirche errichtet. Ich persönlich finde die die Aussicht auf die Stadt hinunter beeindruckend. Man sieht nicht nur bis weit nach Osten ins Donautal hinein. Richtung Westen hat man auch einen Ausblick auf das Stift in Klosterneuburg und in der Ferne kann man auch die Burg Kreuzenstein erkennen. Gaststätte und Kirche sind leider seit 2007 nicht zugänglich, bei meinem Besuch vergangene Woche war man allerdings emsig auf der Baustelle zu gange. Es bestehen Pläne, die Anlage ab Ende 2017/Anfang 2018 wieder zugänglich zu machen. Wer übrigens nicht wandern will - vom Bahnhof Heiligenstadt (Endstation U4) gelangt man auch mit dem Bus 38A (Endstation Leopoldsberg) dorthin.

Leopoldsberg , 1190 Wien-Döbling
 

Kirche des heiligen Leopold am Steinhof

Otto Wagner gehört sicher zu den bekanntesten Architekten Wiens - zu seinen wichtigsten Werken gehört das Otto-Wagner-Spital im 14. Gemeindebezirk. Diese wird bekrönt von einer der schönsten Jugendstilkirchen der Welt. 1904 bis 1907 errichtet sieht man die goldene Kuppel von zahlreichen Punkten in Wien. Eine gewisse Ironie in sich, war ihr außergewöhnlicher Stil war zum Zeitpunkt der Errichtung in Wien mehr als umstritten. Im Innenraum entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, schließlich war Otto Wagner sehr auf die hygienischen Maßnahmen bedacht - so wurden etwa hygienisch tropfende Wasserspender eingesetzt und der gefließte Boden ist leicht abschüssig, um Hinterlassenschaften der Patienten leichter entfernen zu können. Bekannt ist die Kirche auch durch die Bleiglasmosaikfenster, die von Koloman Moser entworfen wurden.

Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien
geöffnet Sa 16 - 17 Uhr, So 12 - 16 Uhr, Führungen Sa 15 Uhr, So 16 Uhr (Preis 8€)
 

Pötzleinsdorfer Schlosspark

Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang hat man im ausgedehnten englischen Landschaftspark von Pötzleinsdorf. Im 354.000 Quadratmeter großen Park findet man einen großen Spielplatz mit Streichelzoo, sowie viel Platz auf einer großen Lagerwiese.
Vorbei am Schloss, das nicht für die öffentlichkeit zugänglich ist, findet man zahlreiche Statuen und Denkmäler, darunter das singende Quartett, Figuren, die auf den Pilastern der Attika des Wiener Ringtheaters standen und den Großbrand am 8. Dezember 1881 überstanden haben.

Meine Favoriten im Park sind allerdings die beiden monumentalen Sequoia-Bäume direkt gegenüber dem Schloss. Einer davon hat einen Stammdurchmesser von mehr als 8 Metern.

1180 Wien
Endstation der Straßenbahn 41
 

Buddhistische Friedenspagode

Ein besonders ruhiger Platz ist für mich die Friedenspagode direkt am Donauufer. Sie gehört zu den weltweit 80 existierenden Stupas, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden im Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Die Pagode wird betrieben von Mönchen japanischen Nipponzan-Myōhōji-Ordens, die nahe der Pagode in einem kleinen Kloster leben. Deren Lehre besagt „Wahrer Frieden ist dann erreicht, wenn die Menschen sich verpflichten, niemals anderen nach dem Leben zu trachten und den Gedanken an das Töten aufgeben.“ - ein schöner Gedanke, wie ich finde.

Hafenzufahrtsstraße F, 1020 Wien
 

Friedhof der Namenlosen

Der Friedhof der Namenlosen ist für mich einer der friedlichsten Orte in ganz Wien, auch wenn er mitten im Gebiet des Albernen Hafens aber trotzdem fernab der lauten Großstadt liegt. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 1935 wurden hier diejenigen begraben, die die Donau aufgrund eines Strudels in unmittelbarer Nähe angeschwämmt hat. Da viele Selbstmörder darunter waren, war eine Bestattung auf einem katholischen Friedhof zu damaligen Zeiten nicht möglich, weshalb man sie zuerst direkt am Donauufer bestattete. Viele der Toten waren aufgrund der langen Zeit im Wasser nicht mehr zu identifizieren, weshalb sie als „Namenlos“ bestattet wurden. Auf dem heute noch bestehenden neueren Teil hinter dem Hochwasserschutzdamm sind die Gräber erhalten. Geschmückt sind sie mit einem schlichten Gusskreuz und liebevoll gepflegt werden sie nun schon in dritter Generation durch die private Initiative der Familie Fuchs.

Alberner Hafen, 11. Bezirk
 
 

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