Rock me Amadeus

SIGHTSEEING | 13. Februar 2018

Wien ist die Stadt der Musik. Fast alle der großen, klassischen Komponisten arbeiteten in der Kaiserstadt. Dazu gehört natürlich auch das wohl berühmteste Wunderkind der Geschichte. Schon als 6-jähriger Bub durfte der Salzburger Wolfgang Amadé Mozart am Wiener Hof vorspielen. Und danach hinterließ er in seinen 35 Lebensjahren in Wien zahlreiche Spuren, die letzten 10 Jahre seines Lebens und Schaffens verbrachte er als freischaffender Künstler im Stadtzentrum. Ich habe mich gemeinsam mit Christine Triebnig Löffler von Secret Vienna auf Spurensuche begeben.

Der erste Auftritt – Palais Collalto

Das Talent des kleinen Mozarts erkannte der Vater früh. Und so begab er sich mit ihm und seiner Schwester Nannerl auf große Reise, um das Wunderkind der Öffentlichkeit und vor allem dem Kaiser vorzustellen. Und so kamen die beiden Kinder in der zweiten Oktoberwoche nach Wien und gaben im Palais Collalto ihr erstes öffentliches Konzert. Graf Thomas Vinciguerra Collalto hatte die beiden schon in Linz gehört und ließ sie spielen, noch bevor das kleine Wolferl im Spiegelsaal von Schönbrunn vor Maria Theresia und Franz I. Stephan und ihren 12 Kindern auftrat.

Vor der Erbauung der kleinen Häuser befanden sich hier in unmittelbarer Nähe des Judenplatzes der Judengarten und später das Haus des Dr. Schrans, das Ferdinand I. um 26.000 Gulden kaufte, um die Adlige Landschaftsschule darin unterzubringen. 1560 wurde die Leitung dieser Schule dem Jesuitenorden übertragen, der hierher seine Konviktisten versetzte. In diesem Zusammenhang wurde das Haus aufgestockt, umgebaut und erweitert. 1611 kauften die Stände das Haus und schenkten es dem damaligen Palatin von Ungarn, dem Grafen Imre Thurzo. Im Jahre 1671 erwarb schließlich die venezianischen Patrizierfamilie Collalto das Anwesen, der Graf Franz Anton Collalto (1630–1696) begann, umfangreiche Umbauten durchführen zu lassen. Im langen einschiffigen Durchgang öffnet sich links der Eingang zur Treppe. Diese wird über drei Stockwerke geführt und hat Stufen aus Kaiserstein. In den Jahren 1715 bis 1725 wurde die Fassade des Palais schließlich im Barockstil erneuert. In der zweiten Oktoberwoche 1762 fand das erste öffentliche Konzert des damals sechsjährigen Wolfgang Amadeus Mozart gemeinsam mit dessen Schwester im Palais Collalto statt. Dieses wurde für den Grafen Thomas Vinciguerra Collalto und seine Gäste vorgetragen.

Am Hof 13, 1010 Wien
 

Der Fusstritt in ein neues Leben – Deutschordenshaus

Nach dem Auftritt am Hof kehrte Mozart nach einer langen Reise nach Salzburg zurück und stand in den Diensten des Fürstbischofs Graf Colloredo. Der schickte ihn 1781 zurück nach Wien. Nur wenige Monate lebte er im Deutschordenshaus in einer Wohnung im ersten Stock, verzweifelt kämpfte er um seine Freiheit, bis er endlich aus den Diensten Colloredos entlassen wurde. Vor allem sein Vater wollte den talentierten Jungen weiter in Diensten der Kirche sehen. Der fürsterzbischöflichen Oberstküchenmeister Karl Graf Arco soll ihn unsanft mit einem Fusstritt aus der Wohnung befördert haben.

Am 9. Mai 1781 schreibt Wolfgang an seinen Vater Leopold in Salzburg: „(…) Dass Sie glauben, daß ich mich bey der Noblesse und dem Kaiser selbst in üblen Credit setzen werde, ist grundfalsch, den der Erzbischof ist hier gehasst, und vom Kaiser am meisten; das ist eben sein Zorn, dass ihn der Kaiser nicht nach Laxenburg eingeladen hat (…)“

Singerstraße 7, 1010 Wien
 

Im Haus der Weberschen – Milchgasse

Vom Deutschordenshaus zog Mozart in die Milchgasse hinter der Peterskirche zu Madame Weber, die dem freischaffenden Künstler Unterkunft gewährte. Hier entstand nicht nur seine berühmte Oper „Die Entführung aus dem Serail“, hier lernte er auch seine große Liebe Constanze kennen, die Tochter der Madame Weber. In sie muss er bis über beide Ohren verliebt gewesen sein – zumindest wenn man den zahllosen, teils kitschigen Liebesbriefen glauben darf, die erhalten geblieben sind.

Milchgasse 1, 1010 Wien
 

Die glückliche Zeit – Mozarthaus Wien

Das Haus Domgasse 5 ist die einzige der 13 Wohnadressen Mozarts, die erhalten geblieben ist. Im ersten Stock befand sich die Wohnung, in der er mit seiner Familie, seinem Hund und seinen Schülern lebte. In den 2 1/2 Jahren, in denen er in der Domgasse lebte, entstanden zentrale Werke wie „Le Nozze de Figaro“.

Heute ist das ganze Haus dem Leben Mozarts gewidmet. Auf drei Etagen kann man sich auf Spurensuche begeben. Man beginnt den Rundgang im 3. Stock, der sich mit den Lebensumständen Mozarts in Wien beschäftigt. Die zweite Etage erzählt die Geschichte der Kompositionen Mozarts und im ersten Stock wurde die Wohnung mit 4 Zimmern, 2 Kabinetten und einer Küche so weit wie möglich rekonstruiert. Es ist die größte bekannte Wohnung Mozarts.

Mozarts Räume wurden 1941 zum 150. Todestag Mozarts von den Nationalsozialisten im Rahmen der „Mozartwoche des Deutschen Reiches“ eröffnet, einer Veranstaltung, mit der Mozart − im Gegensatz zu seinem polyglotten Leben − als typisch deutscher Komponist vereinnahmt werden sollte. Seit 1945 oblag der Betrieb der Schauräume dem Historischen Museum der Stadt Wien. Da das in Privatbesitz stehende Gebäude von außen wenig attraktiv erschien, blieben die Besucherzahlen im so genannten „Figarohaus“ mit etwa 80.000 Personen pro Jahr bescheiden, obwohl der Standort wegen seiner geringen Entfernung zum Stephansdom attraktiv erschien.

Domgasse 5, 1010 Wien
Eintritt regulär 11€
 

Die letzte Wohnung – Kaufhaus Steffl

Zahlreiche Wohnadressen aus Mozarts 10 Jahren in Wien bekannt. Er starb im Alter von nur 35 Jahren, vermutlich an rheumatischem Fieber. Das Haus in der Rauhensteingasse steht heute nicht mehr. An der Stelle wurde nach 1949 das Kaufhaus Steffl errichtet. Und so treffe ich hier auch auf außergewöhnliche Spuren, die Mozart hinterlassen hat. Geht man in das Kaufhaus hinein und fährt mit dem Aufzug hinauf in den 7. Stock, steht dort die älteste bekannte Büste von Mozart. Die war ursprünglich im Mozarthof aufgestellt, der das ursprüngliche Sterbehaus Mozarts ersetzte, welches aufgrund von Kriegsschäden abgetragen werden musste. Die Büste blieb erhalten und wurde hier oben wieder aufgestellt, im Andenken an das große Genie.

In der Nachbarschaft, Rauhensteingasse 3, liegt auch noch heute die Loge der Freimaurer, der Mozart damals angehörte – zu erkennen am Stein, der an der Kette oberhalb der Türe angebracht ist. Nicht weit entfernt hat Mozart weitere Spuren hinterlassen. Den Sarg des großen Genies wurde am 5. Dezember 1791 zum Stephansdom in die Totenkapelle gebracht, wo er eingesegtnet wurde, bevor sich der Totenzug in Richtung Stubentor begab.

Rauhensteingasse 8, 1010 Wien
 

Die letzte Ruhestätte – Biedermeier Friedhof St. Marx

Wie es damals, unter Kaiser Josef II., üblich war, wurde Mozart anonym in einem Schachtgrab am Friedhof in St. Marx begraben. Nur der alte Totengräber kannte die genaue Position. Doch als Constanze Mozart 18 Jahre später nach dem Grab ihres Mannes suchte, war der gestorben. Das Grab konnte nicht mehr genau lokalisiert werden. Das heute am höchsten Punkt liegende Mozartgrab ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit leer.

Der Sankt Marxer Friedhof ist ein Friedhof im 3. Wiener Gemeindebezirk, der 1874 geschlossen wurde und heute unter Denkmalschutz steht. Die wohl bekannteste Grabstätte auf diesem Friedhof ist jene des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Die Stadt Wien führt den Sankt Marxer Friedhof als öffentlich zugängliche Parkanlage. Bereits seit dem 16. Jahrhundert hatte es in Wien Bestrebungen gegeben, die Friedhöfe aus dem Stadtinneren zu verbannen. Reformen waren aber in Bezug auf Bestattungen in Wien besonders schwierig durchzusetzen, da die Wiener Bevölkerung eine fest vorgefertigte Meinung hatte, wie ein Begräbnis und die dazugehörige Festlichkeit zu gestalten waren, und ihre traditionellen Bräuche nicht aufzugeben vorhatte. Erst Kaiser Joseph II. setzte die Schließung der Friedhöfe im Stadtgebiet und in den Vorstädten durch. So entstanden der Sankt Marxer Friedhof, der Hundsturmer Friedhof, der Matzleinsdorfer Friedhof, der Währinger Friedhof und statt eines ursprünglich in der Brigittenau geplanten Friedhofs der Schmelzer Friedhof.

Leberstraße 6-8, 1030 Wien
 
 

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