Danke, Otto!

SIGHTSEEING | 20. März 2018

Kaum ein Architekt hat das Bild des modernen Wiens der Jahrhundertwende so geprägt wie Otto Wagner. 1841 in Penzing geboren ist er einer der produktivsten Baumeister des Fin de Siecle - und seine Werke wie die Wiener Stadtbahn (heute U4 und U6) oder das Otto-Wagner-Spital gehören zum Alltag der Wiener. So wie Gustav Klimt die Kunst des Jugendstils prägte, prägte Otto Wagner die Architektur. Und zahllose seiner charakteristischen Gebäude sind bis heute erhalten geblieben. Vor allem sein großes Stadtbahnprojekt machte Wien zu einer modernen Weltstadt mit einer modernen Infrastruktur, die in ihren Grundzügen bis heute erhalten ist.

Ich habe mich auf Spurensuche zu den bekannten, vielleicht aber auch etwas unbekannteren Gebäuden begeben.

Stadtbahn

Den wohl größten Auftrag seines Lebens erhielt Otto Wagner mit dem Bau der Wiener Stadtbahn. Der 1898 fertiggestellte Massenverkehrsmittel umfasste weite Teile der heutigen U4, U6, der Stammstrecke der S-Bahn sowie die Vorortlinie S45 und war damit das größte Infrastrukturprojekt der Kaiserzeit. Und viele der Stationen weisen bis heute die deutlichen Gestaltungsmerkmale Otto Wagners auf - als charakteristisch gelten dabei nicht nur das Muster des Fliesenbodens, sondern auch die grünen (übrigens in vielen Entwürfen weißen) Jugendstilgeländer mit der Blume als wiederkehrendem Element. Das Grün entwickelte sich jedoch zur Charakteristischen Farbe Otto Wagners.

zahlreiche Stationen und Brücken entlang der heutigen U4 und U6
 

Hofpavillon

Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die Schlossgärten von Schönbrunn. Viele davon erreichen die Anlage mit der U4 und steigen in Hietzing aus. Viele übersehen dabei fast das kleine Stationsgebäude, durch das man als Normalbürger bis heute nicht aussteigen kann. Es erstreckt sich brückenartig oberhalb der Gleise. Dieses Stationsgebäude war der kaiserlichen Familie vorbehalten und in den urspründlichen Planungen der Stadtbahn nicht enthalten. Er wurde 1899 fertiggestellt. Wagner vereinte hier Stilelemente des Barock mit denen des Jugendstils. Das prunkvolle Innere wurde ganz an die Bedürfnisse des Kaisers angepasst, die Stiegen führten einst direkt auf den öffentlichen Bahnsteig der damaligen Stadtbahnhaltestelle. Der Kaiser nutzte seinen prunkvollen Bahnhof allerdings nur zweimal. Doch davon ließ sich Wagner nicht beirren und schuf eine des Kaisers würdige, prunkvolle Haltestelle und verhalf damit seiner Architektur endgültig zum Durchbruch in Wien.

Die Stiegen wurden übrigens nachträglich abgerissen, so dass man heute die Haltestelle nur noch an der Stadt abgewandten Seite verlassen kann.

U4 Hietzing
Eintritt 5€ (bis 19 Jahre frei, jeder erste Sonntag im Monat frei)
 

Stadtbahnpavillon Karlsplatz

Das Haltestellengebäude der Stadtbahn am Karlsplatz ist sicherlich eines der bekanntesten Gebäude Wagners. Dabei wäre es in den 1960er Jahren beinahe dem Bau der U-Bahn zum Opfer gefallen. Sie wurden allerdings schließlich vollständig abgetragen und 1977 am alten Ort wieder aufgestellt, seit dem Jahr 2005 widmet das Wien Museum in einem der beiden identischen Gebäude eine Ausstellung ganz dem Leben und Schaffen Otto Wagners. Unter anderem werden zahlreiche Originalentwürfe Wagners gezeigt, etwa für die Kirche am Steinhof oder für die Postsparkasse. Im zweiten Gebäude ist ein kleines Café untergebracht.

Die zahllosen Details im Dekor der Stationsgebäude lässt sie zu einem prunkvollen Musterbeispiel der Wagnerischen Architektur werden. Zu sehen sind die Signalfarbe der Stadtbahn gestalteten Elemente aus Holz und Metall, dazu kommen edler, weißer Marmor und Dekorelemente in Gold.

Untergrundbahn Station Karlsplatz 2, 1010 Wien
 

Otto Wagner Spital & Kirche am Steinhof

Nachdem sich Otto Wagner mit der Stadtbahn gut bewährt hatte, bekam er mit der später nach ihm benannten 1907 vollendeten Niederösterreichischen Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke einen erneuten Großauftrag. Neben 26 Krankenpavillons, dem Direktionsgebäude und vielen Nebengebäuden gestaltete Wagner auch die Kirche zum Heiligen Leopold, die am höchsten Platz des Geländes entstand und mit ihrer goldenen Kuppel zum wichtigsten Werk Otto Wagners zählt. Neben den typischen Jugendstilelementen konzipierte Wagner hier auch speziell auf die Spitalspatienten abgestimmte Details: Ein Arztzimmer, Toiletten und Notausgänge wurden eingeplant, die Kirchenstühle durften wegen Verletzungsgefahr keine scharfen Ecken haben.

Zum Gelände gehören außerdem ein Jugendstiltheater und eine Otto Wagner Gallerie, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kunst in die Psychatrie zu bringen.

BaumgartnerHöhe 1, 1140 Wien
 

Otto Wagner Schützenhaus

Ende des 19. Jahrhunderts sollte der Donaukanal zu einem Winter- und Handelshafen untergebracht werden. An der Staustufe Kaiserbad baute Wagner förmlich um die mechanische Hebevorrichtung des Schützenkrans das 1908 fertiggestellte Schützenhaus, das bis heute eine markante Landmarke am Donaukanal ist. Ein Winterhafen ist der Donaukanal heute nicht mehr, bis auf wenige Ausnahmen gibt es heute nur noch wenig Schiffsverkehr dort und der Kanal dient mehr als Sommerliche Eventlocation. Passend dazu ist heute im Schützenhaus ein edles Restaurant untergebracht - typisch wagnerische Gestaltungsmerkmale sind bis heute jedoch erhalten geblieben.

Obere Donaustraße 26, 1020 Wien
 

Majolikahaus

Neben öffentlichen Gebäuden gestaltete Otto Wagner auch private Wohnhäuser. Die bekanntesten davon sind an der Linken Wienzeile. Mit besonders schönen Details ist das Majolikahaus ausgestattet. Es liegt direkt bei der U4-Station Kettenbrückengasse am Beginn des Naschmarkts. Da Hygiene eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale der modernen Architektur Wagners war, wurde die Fassade vollständig mit Majolikafliesen verkleidet, die abwaschbar sind. Die Fliesen zeigen ein detailreiches, florales Motiv, das sich über die gesamte Fassade erstreckt. Die Ornamente wurden von Wagners Schüler, Alois Ludwig, gestaltet.

Linke Wienzeile 40, 1060 Wien
 

Postsparkasse PSK

Zum frühen Werk Wagners zählt die k. & k. Länderbankzentrale, die heute nur während des Open House Wochenendes (meist Anfang September) zugänglich ist. Danach bekam Wagner auch den Auftrag, die Wiener Postsparkasse an der Ringstraße zu gestalten. Diesen Auftrag führte er 1904 bis 1906 aus und machte das Gebäude zum typischen Bau des Jugendstils mit seiner Detailreichen Fassade, die mit kleinen Marmortäfelchen verkleidet wurde. Die dazu abgestimmten Aluminiumapplikationen sollen an einen Geldspeicher erinnern. Im Inneren ist der große Kassensaal und das wertvolle Mobiliar bis heute erhalten.

Nachdem das Gebäude an die Signa Holding verkauft wurde, zieht die Postsparkasse im Jahr 2018 allerdings aus, was Befürchtungen ausgelöst hat, dass das wertvolle Emsemble auseinandergerissen wird. Im März 2018 ist die Kassenhalle noch öffentlich zugänglich - die Chance vor dem Auszug der PSK sollte man also dringend noch nutzen!

Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
 
 

kangaroute – Freizeit entdecken - planen - erleben!

  •   Entdecke neue Top-Aktivitäten
  •   Erlebe jede Woche neue Highlights
  •   Finde das perfekte Hotel